Konfliktlotsenarbeit an unseren Grundschulen


Hofsituation, 1. Große Pause, an einer unserer Grundschulen:

Fabian aus der 4. Klasse kommt aufgeregt auf die Lehreraufsicht, Frau Müller, zu: „Frau Müller, sie müssen unbedingt mitkommen, der Martin hat dem Jens ein Bein gestellt und der ist hingefallen.“ Frau Müller nähert sich dem „Tatort“, da sprudelt es auch schon aus Martin heraus: "Der sagt andauernd Schimpfworte zu uns, das hat Jens verdient.“ Ehe Frau Müller irgendwie reagieren kann, ruft bereits Jens dazwischen: „Stimmt gar nicht. Die lassen mich nie beim Fußball mitmachen. Das ist ganz gemein von denen.“ Frau Müller weiß zum Glück Rat und ruft die beiden Konfliktlotsen in ihren hellgelben T-Shirts, die gerade Hofdienst haben. „Könnt ihr bitte Martin und Jens helfen und mit in den Konfliktlotsenraum nehmen, die hatten gerade einen Streit.“

Die Konfliktlotsen Carla und Stefan aus der 6. Klasse, die schon viele Hofstreitigkeiten bearbeitet haben, gehen freundlich auf die beiden Streiter zu und stellen sich zunächst erst einmal vor. In wohlwollender Weise sprechen sie die beiden an: „Wir können euch helfen, euren Streit zu lösen, wenn ihr es möchtet. Bei uns könnt ihr euch erst mal ausquatschen und in Ruhe nach einer Lösung suchen. Wollt ihr?“ Martin und Jens nicken beide, Jens klopft sich noch den Sand von der Hose und dann gehen beide mit. Frau Müller ist froh, dass die beiden gut versorgt sind und der Streit so gründlich besprochen und hoffentlich langfristig gelöst werden kann. Sie hätte dazu bestimmt keine Zeit gehabt, denn schon stehen drei Mädchen um sie herum und fragen nach dem Hofschlüssel, um die Schulhühner zu versorgen und von hinten rufen auch noch zwei Jungen, ob sie jetzt schon auf den Basketballplatz dürfen.

Wie verhandeln die Konfliktlotsen einen Streit?

  • Beide Streiter werden gleichberechtigt behandelt.
  • Die Lotsen sorgen für ein faires Gespräch mit zwei Hauptregeln: Jeder darf ausreden! Wir sprechen höflich miteinander, also keine Ausdrücke!
  • Sie fragen jede Seite, wie sie den Streit erlebt haben und nehmen jede Perspektive nacheinander neutral (allparteilich) an. Sie fassen das Gesagte zusammen und spiegeln das Wesentliche der beiden Aussagen.
  • Jede Seite wird ermuntert, die erlebten Gefühle und dahinterliegenden Bedürfnisse auszusprechen.
  • Erst nachdem ein gewisses Verständnis für jede Seite erreicht ist, wird nach den Wünschen und Angeboten gefragt und nach Übereinstimmungen gesucht.
  • Die getroffenen Vereinbarungen werden durch einen Handschlag besiegelt und ggf. auf einem Formular vermerkt und von allen Seiten unterschrieben.

Wie ist die Arbeit der Konfliktlotsen organisiert?

  • In der Gruppe der meist 12 ausgebildeten Konfliktlotsen werden Dienste jeweils zu zweit für die wichtigsten Pausenzeiten verteilt, sodass die Kinder bzw. die aufsichtsführenden Lehrer in Streitsituationen immer Ansprechpartner finden.
  • Den Konfliktlotsen ist ein separater Raum zum Besprechen der Fälle zugeteilt. Hier arbeiten sie eigenverantwortlich, klären den Streit und dokumentieren die Vereinbarungen. Die gesammelten Einigungsfromulare werden in einem speziellen Ordner sicher aufbewahrt.
  • Die Konfliktlotsen werden von einem oder zwei mit der Mediation vertrauten LehrerInnen betreut. Mit den BetreuungslehrerInnen finden in der Regel wöchentliche Treffen statt, um die Erfolge und Schwierigkeiten bei der Mediationstätigkeit genauer besprechen zu können. So kann die Arbeit der Konfliktlotsen gewürdigt, aber auch notwendige Hilfen gegeben werden. Im Rahmen dieser Treffen ist es möglich, Wünsche des Kollegiums hinsichtlich notwendiger Konfliktklärungen weiterzuvermitteln.
  • Damit möglichst alle Kinder der Schule ihre Konfliktlotsen kennen, stellen sich die Lotsen zu Beginn ihrer Tätigkeit in allen Klassen mit ihrem Angebot vor. Zusätzlich gibt es noch entsprechende Aushänge mit Fotos und Namen der Konfliktlotsen, sodass ein selbständiges Ansprechen bei Bedarf durch die Schüler selbst ebenso möglich ist.

Wie werden die Konfliktlotsen ausgebildet? Wer wird Konfliklotse?

  • Zu der meist alle zwei Jahre stattfindenden Konfliktlotsenausbildung an einer Schule können sich alle interessierten Schüler der meist 4. und 5. Klassenstufe freiwillig melden. Zu einem Ausbildungsgang gehören in der Regel 12 Schüler und Schülerinnen.
  • Der Ausbildungsgang umfasst etwa 10-12 Doppelstunden außerhalb des Regelunterrichts über ein Schulhalbjahr hinweg und schließt mit einer praktischen Prüfung ab, die bei Bestehen zu einer eigenständigen Fallarbeit in Zusammenarbeit mit anderen Konfliktlotsen befähigt.
  • Inhalte der Ausbildung sind neben kommunikative Grundlagen (Aktives Zuhören Spiegeln, positiv Umformulieren) vor allem die Verhandlung von Fällen mit dem mediativen Phasenmodell sowie Interventions- und Deeskalationsmöglichkeiten.

An welchen Evangelischen Schulen sind Konfliktlotsen ausgebildet?

Evangelische Grundschule Brandenburg /Havel
Evangelische Schule Charlottenburg
Evangelische Schule Fankfurt (Oder)
Evangelische Grundschule Friedrichhagen
Evangelische Schule Berlin-Friedrichshain
Evangelische Schule Frohnau
Evangelische Schule Lichtenberg
Evangelische Grundschule Lübben
Evangelische Schule Berlin-Mitte 
Evangelische Schule Neukölln
Evangelische Schule Neuruppin
Evangelische Schule Pankow
Evangelische Schule Spandau
Evangelische Schule Steglitz
Evangelische Schule Wilmersdorf

 

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