Mediatorenarbeit an unseren Oberschulen


Klassensituation in einer 7. Klasse eines Gymnasiums

Die Klassenlehrer beobachten, dass ein Schüler vermehrt von einer Gruppe von Klassenkameraden ausgegrenzt wird. Er findet immer weniger Ansprechpartner, bleibt bei Gruppenarbeiten übrig und ist in der Pause zunehmend auf sich allein gestellt. Auch die Eltern signalisieren, das es ihrem Kind zur Zeit in der Klasse nicht gut geht, obwohl die Leistungen stimmen.

Die älteren Konfliktlotsen des Gymnasiums, die als Oberstufenschüler nun schon etliche Jahre Erfahrung mit der Mediationsarbeit haben, werden mit diesem Problem beauftragt, nachdem sie ein ausführliches Vorgespräch mit den Klassenleitern hatten und hier ein mögliches Vorgehen verabredet wurde. Danach führen sie zunächst ein Gespräch mit dem vermeintlichen Außenseiter und den Klasensprechern, um sich einen ersten eigenen Eindruck von der Situation zu machen.

Sie setzen daraufhin weitere Gesprächsgruppen an, in denen die Schwierigkeiten des Jungen mit den verschiedensten Klassenkameraden im Einzelnen durchgegangen werden können. Am Ende dieser Gespräche haben die Mediatoren zusammen mit den Befragten nach Klärung aller Hintergründe einen Vereinbarungskatalog erarbeitet, der veränderte Verhaltenswünsche sowohl für die Gesamtklasse als auch für den betroffenen Jungen enthält. Denn nur wenn beide Seiten aufeinander zugehen, kann sich die Gesamtsituation langfristig verbessern.

Diesen Katalog besprechen die Mediatoren zuerst mit den Klassenleitern und erst dann mit der ganzen Klasse. Es soll geklärt werden, ob alle mit diesen neuen Regelungen mitgehen können oder noch weitere Details verändert werden sollten. Erst wenn es zu einem Konsens gekommen ist, werden die neuen Umgangsregeln für einen Versuchszeitraum verabredet (die nächsten zwei Wochen).

Solch ein Konsens sei hier exemplarisch mit veränderten Namen einmal angegeben: Regeln für die Klasse

  • Alle begegnen Mario freundlich und offen.
  • Sie beziehen Mario aktiv in Gruppenaktivitäten mit ein, indem sie ihn ansprechen, wenn es sich anbietet.
  • Sie weisen Mario freundlich darauf hin, wenn sie ihn nicht einbeziehen können und nennen ihm einen Grund.

Regeln für Mario

  • Mario sollte sich ruhig mit seiner eigenen Meinung an gemeinsamen Gesprächen beteiligen, jedoch sich dabei an Gesprächsregeln halten, also andere aussprechen lassen und nicht dazwischen reden.
  • Mario sollte sich ruhig an Gruppenaktivitäten beteiligen (Tischtennis, Fußball), sich jedoch an die verabredeten Regeln halten.
  • Wenn Mario ein Verhalten eines anderen Klassenkameraden nicht passt oder stört, dann soll er es ohne Schimpfworte (und ohne körperliche Berührungen des anderen) gleich sagen oder das verabredete Stoppzeichen machen.

Diese Vereinbarungen gelten erst einmal für die nächsten zwei Wochen und werden danach überprüft.
Nach diesen Testwochen erfolgt eine Nachprüfung durch die Mediatoren mit der Klasse und ggf. weitere Regelungen. Nach einem längeren Testzeitraum wird eine Klassenmediation mit allen Schülern zusammen unter Leitung der Mediatoren verabredet, um nochmals anonym den längeren Verhaltensfortschritt abzufragen und ggf. zu diskutieren.

Wie arbeiten die Mediatoren an unseren Oberschulen?

Hier gibt es in der Regel keine festen Dienste mehr auf dem Hof, teilweise aber eine feste Wochensprechstunde für Schüler in einem bestimmten Raum.

Die Mediatoren stellen sich jeweils in den unteren Klassenstufen vor oder werden über Aushänge und ggf. Andachten vorgestellt.

Die Ansprache der Konfliktlotsen erfolgt durch die in Problemsituationen befindlichen Schüler selbst, durch die Klassensprecher/SchulsprecherInnen, über die VertrauenslehrerInnen oder durch den/die betreuenden LehrerInnen vor Ort. Die weitere Organisation der Termine übernehmen die MediatorInnen dann selbständig.

Vielfach werden die Fälle in Absprache mit den VertrauenslehrerInnen und KlassenlehrerInnen übernommen und das weitere Vorgehen jeweils abgestimmt. Dabei wird darauf geachtet, dass die Schweigepflicht der Mediatoren nicht tangiert wird, dass also nur Vereinbarungen mitgeteilt werden, die die Medianden zugelassen haben.

Je nach Alter und Erfahrung nimmt die Komplexität der Fallarbeit entsprechend der Erfahrung der Mediatoren zu.

Regelmäßiger Austausch bzw. Supervision mit den betreuenden LehrerInnen ist jeweils vorgesehen.

Wie werden die Mediatoren aus- und fortgebildet?

Sie erhalten in der Regel eine gründliche Ausbildung bei der Mediationsbeauftragten der Ev. Schulstiftung, Dagmar Rohnstock. Das sind meist 10 Doppelstunden in Form von Unterrichsblöcken oder auch Doppelstunden über ein Halbjahr verteilt.

Eine erste Ausbildungsstufe wird meist für die Klassen 7-9 als Grundlehrgang für interessierte Schüler im Anschluss an den Regelunterricht angeboten.

Nachschulungen für die erfahrenen Konfliktlotsen gibt es je nach Gelegenheit in den Folgejahren als Auffrischung, aber auch für spezielle Mediationsthemen wie Außenseiterproblematik und Klassenmediation.

Inhalte sind neben den grundlegenden Kommunikationstechniken sprachliche Deeskalationen, komplexe Fälle mit Beleidigungen und Vertrauensbrüchen sowie ein vertiefter Blick auf die Ursachen von Konflikten.

An welchen Evangelischen Oberschulen sind Mediatoren ausgebildet?

Evangelische Schule Charlottenburg
Evangelische Schule Cottbus-Gymnasium
Evangelische Schule Frohnau
Evangelisches Gymnasium zum Grauen Kloster
Evangelische Schule Köpenick
Evangelische Schule Neukölln
Evangelische Schule Neuruppin
Evagelische Schule Schönefeld
Evangelische Schule Spandau
Evangelische Schule Steglitz
Evangelisches Johanniter-Gymnasium Wriezen
Evangelische Schule Berlin Zentrum

 

zurück