Evangelische Schule Neukölln gedenkt der NS-Zwangsarbeiter

Am Volkstrauertag versammeln sich jedes Jahr die Vertreter der Berliner Kirchengemeinden auf den Friedhöfen an der Hermannstraße, um an das ehemalige Zwangsarbeiterlager der Evangelischen Kirche zu erinnern. Die Kirche zwang dort im 2. Weltkrieg überwiegend junge Kriegsgefangene unter erbärmlichen Verhältnissen zur Friedhofsarbeit.

Unter der Leitung von Frau Superintendentin Ulrike Trautwein gestaltete der Verein zur Erhaltung der Gedenkstätte zusammen mit dem Leistungskurs Religion der Evangelischen Schule Neukölln von Frau Naasner eine Feierstunde, an der auch der Senator für Kultur und Europa, Klaus Lederer, teilnahm. In seiner Rede betonte er die wichtige Rolle der Gedenkstättenarbeit und hob die Arbeit der Schüler*innen der Evangelischen Schule Neukölln hervor. Gerade angesichts der zunehmenden Relativierung der deutschen Schuld am Zweiten Weltkrieg durch die jetzt auch im Parlament vertretenen rechten Parteien sei es dringend notwendig, die Kenntnisse über die Verbrechen weiterzugeben, so der Senator.

Die Schüler*innen zeigten in einer Lesung aus Texten von Tätern und Opfern die Skrupellosigkeit der Täter und die jammervollen Erfahrungen der Häftlinge. In kleinen Dialogen stellten sie die Ausweglosigkeit der Situation im Lager bei Hunger, Kälte, Heimweh und Brutalität der Wärter nach.

Frau Trautwein warnte eindringlich vor den Folgen, wenn Christen die Botschaft der Bibel vergäßen: Dann könne das Unfassbare geschehen und Menschen werden bereit Andere zu quälen. Stattdessen forderte sie dazu auf, sich am Gleichnis aus dem Matthäus-Evangelium zu orientieren, in dem Jesus verlangt, den Frierenden zu kleiden, den Hungernden zu speisen, den Kranken zu besuchen und den Flüchtling aufzunehmen.

Als Symbol ihrer Verbundenheit steckten sie weiße Rosen in den Bauzaun, hinter dem derzeit die Reste des Lagers von Studenten der Universität Potsdam ausgegraben werden.

Lore Nareyek