Erstklässler sind keine "Lernanfänger" - ein Konzept für den Übergang
Wie der Übergang vom Kindergarten in die Schule gestaltet werden kann zeigt das von der Bertelsmann-Siftung ausgezeichnete Kooperationsprojekt der Kita „Das Tapfere Schneiderlein“ und der Evangelischen Schule Lichtenberg
Die Berliner Elterninitiative „Das Tapfere Schneiderlein“ und die Evangelische Schule Lichtenberg arbeiten seit einigen Jahren gemeinsam am Übergang vom Kindergarten in die Schule. Da Projekt wurde 2005 von der Bertelsmann Stiftung mit dem Preis „Kinder früher fördern“ ausgezeichnet. „Die Berliner Preisträger zeigen in vorbildlicher Weise, wie Pädagogen und Eltern gemeinsam dazu beitragen können, die unterschiedlichen Lernkulturen in Kitas und Grundschulen in Einklang zu bringen. Sie haben eine altersgerechte, solide Basis für erfolgreiches Lernen geschaffen.“ heißt es in der Begründung der Jury.
Guter Start
Im Übergang in die Grundschule liegen große Chancen, aber auch Risiken.
Wenn die Lernkonzepte in Kita und Schule nicht aufeinander aufbauen, besteht die Gefahr, dass die Lernmotivation der Kinder schon innerhalb der ersten Schulwochen erheblich sinkt. Das kann sich auf den gesamten weiteren Bildungsweg auswirken.
"schulfähig" oder "kindfähig"
Erstklässler sind keine „Lernanfänger“. Sie müssen nicht ihre „schulfähig“ unter Beweis müssen. Jedes Kind hat seine eigene Bildungsbiographie, die mit seiner Geburt beginnt. Die Kita sieht sich in der Verantwortung Basis- und Vorläuferkompetenzen, wie eigenständiges selbstverantwortliches Arbeiten, zu fördern. Die Schule will an den Erfahrungen in der Kita anknüpfen. Die Arbeit der Kita soll anschlussfähig und die Schule „kindfähig“ sein. Sowohl für den Übergangsprozess des einzelnen Kindes als auch für die pädagogische Arbeit allgemein ist eine Zusammenarbeit von Kita und Schule wichtig.
Bildung und Erziehung
In Bildungsverständnis von Kindergarten und Schule waren viele Anknüpfungspunkte gegeben: Achtung und Akzeptanz als Vorausetzungen für eine positive Entwicklung, ein kindorientierter, ganzheitlicher Bildungsansatz und das Verständnis von Bildung als einem permanenten, individuellen und aktiven Prozess, der differenziertes Arbeiten notwendig macht. Gespräche über Organisationsformen und Rahmenbedingungen halfen Grundlegendes zu klären und Vorstellungen von Bildung und Erziehung zusammenzuführen.
Abstimmung der pädagogischen Arbeit
Erst einmal war es wichtig, Einblicke in die Arbeit der anderen Einrichtung zu bekommen. Es fand ein Austausch über Konzepte, Fachliteratur, Materialien und Methoden statt. Regelmäßige Hospitationen trugen ebenfalls dazu bei, die Arbeit der anderen Einrichtung zu begreifen und die eigene zu überdenken.
Dabei profitierte nicht nur die Kita von der Schule. Die Maßstäbe für eine anschlussfähige Arbeit wurden klar und Methoden und Materialien übernommen Auch umgekehrt profitierte die Schule von Erfahrungen des Kindergartens im Hinblick auf eine konsequente Projektarbeit und die Dokumentation der individuellen Entwicklung in Entwicklungsbögen und von den Kindern selbst geführten Bildungsbüchern („Was kann ich schon, was will ich lernen“)
Neben dem fachlichen Austausch folgten gemeinsam vorbereitete Aktionen wie Kennenlerntage, gegenseitige Besuche (auch der Schulkinder in der Kita), Patenschaften und gemeinsame Veranstaltungen, Feste und Gottesdienste.
Anker werfen
Die Pädagoginnen und Pädagogen beider Einrichtungen haben von der Kooperation profitiert. Gegenseitiges Verständnis und die Anerkennung sind gewachsen. Der Austausch hat die eigene Arbeit bereichert, neue Erkenntnisse gebracht. Und natürlich haben vor allem die Kinder vom Projekt profitiert. Sie haben erste „Anker“ geworfen, Sicherheit gewonnen und erfahren, dass nicht alles in der Schule neu sein wird. Aber auch die älteren Schüler hat die Zusammenarbeit viel gebracht, sie konnten den eigenen Übergang reflektieren und haben gesehen, was sie gelernt und welche Schwierigkeiten und Ängste sie selbst überwunden haben. Sie konnten den Jüngeren helfen. Die Eltern hatten die Chance, sich mit der neuen Situation vertraut zu machen. Ein konstruktiver Austausch zwischen Schule, Kita und Eltern baute Unsicherheiten und Erwartungsdruck ab. „Meine Tochter wäre auch alleine zu Einschulung gegangen“, resümiert der Vater einer Erstklässlerin, die am Projekt teilnahm.







