Richtig streiten lernen: Schulmediation
An unseren Schulen leben und arbeiten wir gemeinsam. Unterschiedliche Erwartungen, Meinungen und Bedürfnisse von Kindern, Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen begegnen sich. Das macht das Zusammenleben spannend - aber manchmal auch schwierig. Durch Mediation wollen wir einen fairen Ausgleich der verschiedenen Interessen erreich
Keine Angst vor Konflikten 
Mediation ist eine Technik friedlicher Konfliktvermittlung. Die Prinzipien der Mediation bauen auf christlichen Grund- werten auf, sie setzen auf Verständigungs- bereitschaft und gegenseitiges Vergeben. Das passt gut zum Leitbild evangelischer Schulen. Die Evangelische Schulstiftung hat eine eigene Mediationsbeauftragte, die Schüler wie Lehrer in gewaltfreier Kommunikation und Vermittlungstechniken ausbildet und selbst vermittelt.
Mediation - ein Teil des christlichen Profils unserer Schulen
Auseinandersetzungen sind Teil unseres Schullebens - faires Schlichten auch. Schon in der Bibel findet sich das Schlichten als Teil des Gemeindelebens, und zwar dann, wenn sich zwei Parteien untereinander nicht einigen können. “Gibt es in eurer ganzen Gemeinde niemanden, der weise genug wäre, dass er zwischen euch entscheiden könnte?“ (1. Kor 6,5 Neues Leben) oder zu neudeutsch: „Gibt es wirklich keinen bei euch, der genug Peilung hat, um so was zu regeln?“ (Volxbibel)
Während es in der Bibel oftmals die Ältesten waren, die diese Schlichtungstätigkeit übernahmen (vgl. Apg 15,2), so übernehmen an unseren Schulen die besonders trainierten, zumeist älteren Konfliktlotsen (bei jüngeren Streitparteien) oder Lehrermediatoren diese Funktion. Dabei sind alle Mediatoren bei uns selbstverständlich angehalten, keine Urteile oder gar Vorurteile gegenüber den Streitparteien abzugeben. In dieser Weise agiert auch Jesus in der Bibel, indem er weder die Schriftgelehrten noch die Ehebrecherin verurteilt („Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein auf sie werfen.“ Joh 8,7).
Wenn es auch viele Aufrufe nach Einmütigkeit bzw. derselben Denkweise in der Bibel gibt, so ist doch nicht zu übersehen, dass Konflikte ernst genommen und ausgetragen werden: Jesus selbst stellte sich häufig Streitgesprächen (Mk 12,13-27), zeigte im Tempel seinen Ärger (Mk 11, 15-19). Und ausdrücklich werden diejenigen hervorgehoben, die sich um Frieden zwischen den Parteien bemühen: „Gott segnet die, die sich um Frieden bemühen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“ (Mt 5,9) oder zu neudeutsch: „Richtig glücklich sind die Leute, die dafür sorgen, dass sich Menschen wieder vertragen, denn man wird von Ihnen sagen: Das sind die Kinder von Gott.“ (Volxbibel)
Hier findet sich also ein starkes Motto und unsere christliche Motivation für unsere Schulen, sich mit Hilfe von Konfliktlotsen und Mediatoren, aber auch grundsätzlich untereinander für den Frieden einzusetzen.
Vielleicht kommt sogar mit diesen mediativen Vereinbarungen, die auf Konsens bzw. win-win-Lösungen zielen, ein Stück der Weisheit und des Geistes „von oben“ mit in unsere Schulhäuser: „Aber die Weisheit, die von Gott kommt, ist vor allem rein. Sie sucht den Frieden, ist freundlich und bereit, nachzugeben. Sie zeichnet sich durch Barmherzigkeit und gute Taten aus. Sie ist unparteiisch und immer aufrichtig. Und wer Frieden stiftet, wird in Frieden sein und Gerechtigkeit ernten.“ (Jak 3,17f - Neues Leben)
So hoffen wir darauf, dass nicht nur die Konfliktlotsen mit der Weisheit von oben die Parteien miteinander versöhnen können, sondern wir wünschen uns auch, dass wir damit ein Stückchen mehr das wohl grundlegendste Liebesgebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ (Mt 22,39) in die (Schul-)Tat umsetzen können.
Erkennen und Annehmen
An fast allen Evangelischen Schulen sind jugendliche Streitschlichter tätig, die die Alltagskonflikte auf dem Hof, im Schulhaus und im Klassenraum selbständig verhandeln. Nach einer ausführlichen Besprechung der Streitsituation führen die Konfliktlotsen die Streiter in der Regel zu gemeinsam getragenen Vereinbarungen, die sie in Verträgen festhalten. Dabei geht es nicht darum herauszufinden, wer Schuld hat, sondern um das gegenseitige Verstehen der unterschiedlichen Vorstellungen und Bedürfnisse, die die eigentliche Ursache eines Streits ausmachen. Mit dem Erkennen und Annehmen der Wahrheit des anderen wird der Weg frei für eine dauerhafte Einigung.
Konfliktlotsen beim Friedenslauf
Dr. Dagmar Rohnstock, Mediationsbeauftragte der Schulstiftung mit Konfliktlotsen der evangelischen Schulen Köpenick und Lichtenberg beim Berliner Friedenslauf 2007
d.rohnstock[at]schulstiftung-ekbo.de
Konfliktlotsen
Die Konfliktlotsen sind in diesem Prozess Vertrauenspersonen und stehen unter Schweigepflicht, arbeiten also eigenständig in separaten Verhandlungsräumen. An den Oberschulen sind die Lotsen zusätzlich trainiert für eine eigenständige Klassenmediation, das heißt sie moderieren Wege der Konfliktregelung mit den Schülern einer ganzen Klasse und suchen nach Vereinbarungen, die von allen akzeptiert werden. Die Schülermediatoren an der Ev. Schule Köpenick bieten zudem ein selbst geleitetes Konflikttraining für die Unterstufenschüler an, in dem sie die Fünft- und Sechstklässler in Rollenspielen und mit altersgerechten Beispielen in die Grundlagen mediatorischer Konfliktschlichtung einführen. Betreut und angeleitet werden alle Konfliktlosen von dafür geschulten Lehrermediatoren.
Details zur Arbeit der Grundschul-Konfliktlotsen
Näheres zu den Oberschul-Streitschlichtern
Lehrermediatoren
In jährlichen Schulmediationsausbildungen für Pädagogen an evangelischen Schulen können Lehrer in praktischen Übungen den Wert der Mediation in Konflikten mit Schülern, Eltern und Kollegen erproben und dann in ihren Lehreralltag transportieren. Sie werden damit zu wichtigen Ansprechpartnern für Konflikte vor Ort und sind wertvolle Betreuer der Konfliktlotsen.
Zur Ausbildung von Lehrern/Erziehern
Elterninformation
Darüber hinaus bieten Elterninformationsabende an den verschiedenen Schulen interessierten Eltern einen Überblick über die Mediationsarbeit an ihrer Schule. Mediation verändert das Klima nachhaltig, und zwar auf allen Ebenen von Schule ? und auch darüber hinaus!



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