Interview mit Eva-Maria Kopte
Führungswechsel nach 15 Jahren – seit dem 1. August 2025 hat Eva-Maria Kopte den Vorstandsvorsitz der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO übernommen. Was waren ihre ersten Eindrücke, was sind ihre Erwartungen und welche Prioritäten setzt die 44-Jährige in ihrer neuen Position. Erfahren Sie hier, welche Herausforderungen sie für die Zukunft der 36 Schulen und der Geschäftsstelle sieht und welche Prämissen ihre Arbeit prägen werden. Das Interview führte Christina Reiche, Leiterin der Kommunikationsabteilung.
Christina Reiche (CR): Am 1. August 2025 haben Sie in der Stiftung als Vorstandsvorsitzende begonnen. Was hat Sie bisher besonders beeindruckt?
Eva-Maria Kopte (EMK): Mich haben alle, denen ich bereits begegnen durfte, sehr beeindruckt, in ihrer klaren Haltung und ihrem Bekenntnis zu Demokratie, Vielfalt und Inklusion. Diese Themen haben einen hohen Stellenwert in den Schulen und in der Stiftung. Ich bin gespannt, wie wir diese Themen gemeinsam weiterentwickeln.

CR: Jetzt treten Sie als Nachfolge von Herrn Olie in große Fußstapfen – wie gehen Sie damit um?
EMK: Ich bin dankbar, dass ich in den ersten Wochen des Übergangs Herrn Olie erleben durfte. Er ist als Person und als Führungskraft wirklich hervorgestochen. Es ist ein Geschenk dass ich hier in große Fußstapfen trete, weil das heißt, dass die Schulstiftung wirklich gut geführt worden ist. So viele Menschen gehen bereits gemeinsam diesen Weg in die Zukunft. Diese Reise zu lenken und ein Unternehmen zu übernehmen, was gut aufgestellt ist, reizt mich sehr.
CR: Mit welchen Erwartungen treten Sie den Vorstandsvorsitz der größten freien Trägerin öffentlicher Schulen in Berlin und Brandenburg an?
EMK: Ich glaube, dass Menschen dann gut arbeiten, wenn sie an einer Position sind, in der sie sinnhafte Arbeit leisten können. Ich freue mich hier für gute Bildung, Bildungsgerechtigkeit und ein starkes evangelisches Profil eintreten zu können und Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen die Menschen vor Ort gut arbeiten können, damit wir das Bildungsangebot in Berlin und Brandenburg weiter nach vorne bringen.
CR: Was sind die drei Prinzipien, die ihr Handeln als Vorstandsvorsitzende leiten werden?
EMK: Wichtig ist mir eine Kommunikation auf Augenhöhe, dass wir konstruktiv ins Gespräch kommen und Dinge verhandeln. Dazu gehört auch das Leben einer angemessenen Fehlerkultur. Unternehmen sind dann gut und stark, wenn sie über ihre eigenen Fehler sprechen dürfen, wenn sie daraus lernen und wenn niemand sich zu schade ist, eigene Fehler zu benennen. Doch das Wichtigste ist, dass alle gerne zur Arbeit gehen, dass sie Freude an ihren Aufgaben haben – auch an den herausfordernden.
CR: Was macht Ihrer Meinung nach eine gute evangelische Bildung aus?
EMK: Eine gute evangelische Bildung heißt für mich, eine stark werteorientierte Bildung. Dazu gehört eine klare Haltung, mit unverhandelbaren Werten, nach denen gelebt und gearbeitet wird. Dazu gehört auch, das ich jeden Einzelnen als wertvolles Geschöpf Gottes anerkenne und erst danach passende Strukturen aufbaue. Im Mittelpunkt steht doch die Frage danach, was mit mir passiert. Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Wie gehen wir mit unseren Mitmenschen und der Schöpfung um? Diese Fragen sind auch Teil von Bildung. Dazu braucht es nicht noch mehr Lerninhalte, es braucht eine klare Reflexion und Haltung. Unser Evangelischer Glaube kann dabei Wegweiser und Kompass sein, ein Mehrwert, der uns als Gesellschaft und als Demokratie nach vorne bringt.

CR: Beide Kirchen, sowohl die katholische als auch die evangelische, kämpfen weiterhin mit dem Rückgang der Mitgliederzahlen. Kann es evangelische Bildung und evangelische Schulen auch ohne eine evangelische Kirche geben?
EMK: Ja, evangelische Schulen wird es weiterhin geben. Evangelischen Schulen sind Orte, an denen Kirche gelebt wird und deshalb halte ich evangelische Bildung auch für außerordentlich relevant für die Kirche. Aber unsere Gesellschaft wird verlieren, wenn die Kirchen keinen Platz mehr darin finden. Die Kirchen versuchen sich in den politischen und ethischen Diskursen einzumischen, aber ich würde mir manchmal eine klarere Positionierung wünschen. Auch unsere Schüler*innen brauchen Vorbilder, die eine klare Haltung haben, an denen sie sich orientieren können. Darum sollte sich Kirche und evangelische Bildung weiterhin für Demokratie, Vielfalt und Werte einsetzen und diese einfordern.
CR: Jetzt braucht es ja nicht nur den Willen zur Bildung, sondern es braucht auch Menschen, die Schüler*innen begleiten und Bildung gestalten: die Pädagog*innen. Wir haben einen Lehrkräftemangel in Berlin und Brandenburg. Mit welcher Strategie wollen Sie sicherstellen, dass wir weiterhin engagierte und möglichst gut ausgebildete Lehrkräfte und Erzieher*innen für unsere Schulen gewinnen können?
EMK: Wir sollten uns klar positionieren, wer wir als Arbeitgeber sind, gemeinsam mit den Mitarbeitenden. Außerdem müssen wir unser Profil schärfen. Dann werden wir auch Kolleginnen gewinnen, die sich sehr bewusst bei uns bewerben. Des Weiteren sollten wir so viel wie möglich Ausbildung an den Schulen ermöglichen und noch mehr Referendar*innen für uns begeistern.
CR: Abgesehen vom Lehrkräftemangel und der Situation unserer Landeskirche – wo sehen Sie weitere große Herausforderungen für die Stiftung in den nächsten Jahren?
EMK: Wir müssen uns massiv mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen, um die Herausforderungen des Klimawandels zu bewältigen. Dazu zähle ich auch die soziale Frage und die Frage der Demokratie. Der Einsatz für Diversität und Demokratie wird uns nicht nur im Themenjahr, sondern auch weiterhin beschäftigen. Außerdem die Frage, wie eine gute digitale Bildung, eine Schule mit KI aussehen kann? Kinder und Jugendliche sollten Freiräume haben, in denen sie unabhängig von digitalen Medien lernen und leben können und gleichzeitig eine gute Medienbildung erhalten.
CR: Jetzt haben Sie ein paar Herausforderungen genannt für die Schulstiftung. Welche persönlichen Herausforderungen sehen Sie für sich?
EMK: Die Schulstiftung ist ein sehr heterogenes Unternehmen, doch ich begreife Vielfalt als wertvoll. Ich freue mich darauf, vielen unterschiedlichen Menschen zu begegnen und sie so zu führen, dass ich dieser Heterogenität gerecht werde. Das begreife ich als Herausforderung.
CR: Vor 15 Jahren war die Schulstiftung in einer finanziellen Schieflage, auch ausgelöst durch die Vielzahl der Schulneugründungen in kürzester Zeit. In diesem Jahr haben wir eine neue Oberschule in Frankfurt (Oder) eröffnet und demnächst soll in Zeuthen eine neue Grundschule entstehen. Sind Schulgründungen im Kontext sinkender Geburtenraten und Lehrkräfte-Mangel noch vertretbar?
EMK: Ja, denn wir stehen immer in einem Spannungsfeld, was Geburtenraten und Schulneugründungen angeht. Wir sehen das gerade an der Entwicklung der Kita Plätze. Und gleichzeitig haben wir eine hohe Nachfrage nach unserem Profil und einen Auftrag als Evangelischer Träger. Darum müssen wir in jedem Einzelfall mit Augenmaß und wirtschaftlicher Verlässlichkeit Entscheidungen treffen, die wir und unsere Mitarbeitenden auch umsetzen können, damit die Schulstiftung auch in Zukunft gute Bildung bieten kann.
CR: Um gute Bildung umsetzen zu können, brauchte es auch eine auskömmliche Finanzierung. Der Berliner Senat hat ein neues Finanzierungsmodell für die Freien Schulen beschlossen, das unter anderem BuT- und Inklusions-Kinder honoriert. Wie bewerten Sie das? Ist das für die Schulstiftung positiv oder negativ?
EMK: Dieses Gesetz muss noch vom Abgeordnetenhaus verabschiedet werden. Doch dieser Entwurf zeigt: da ist nachgedacht worden. Im Kern geht es um mehr Bildungsgerechtigkeit, also dass Kinder aus sozial schwächeren Familien auch im freien Schulwesen beschult werden können und die Stadt das refinanziert. Das wird den Familien helfen, aber auch den freien Trägern. Die Schulstiftung wird nun prüfen, wie sich das im Detail auswirkt.
CR: In Bezug auf Ihre neue Aufgabe. Wovor haben Sie am meisten Respekt.
EMK: Ich habe am meisten Respekt vor der Mannigfaltigkeit der Anforderungen und Themen. Eine Hauptaufgabe wird es sein, diese zu sortieren und zu priorisieren. Dabei bin ich dankbar, dass ich in meinem Glauben Zuversicht und Hoffnung finde, denn ich weiß – ich bin nicht alleine unterwegs, sondern am Schluss werde ich von Gott getragen. Das gibt mir Sicherheit und Ruhe in dieser großen Verantwortung.



