Diese Webseite nutzt Cookies

Einige dieser Cookies sind technisch zwingend notwendig, um gewissen Funktionen der Webseite zu gewährleisten.
Darüber hinaus verwenden wir einige Cookies, die dazu dienen, Informationen über das Benutzerverhalten auf dieser Webseite zu gewinnen und unsere Webseite auf Basis dieser Informationen stetig zu verbessern.

Diversity-Studie der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO und der Boston Consulting Group

Knapp zwei Drittel der befragten Schüler*innen in Berlin und Brandenburg wünschen sich mehr Präsenz der Themen Liebe, Sexualität und Vielfalt im Unterricht. Das zeigt die aktuelle Studie „Bunt. Lieben. Leben." der Evangelischen Schulstiftung in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) unter 472 Schüler*innen des Schulträgers in den Jahrgangsstufen 7 bis 13. 

Die Studie entstand im Rahmen der Diversity-Strategie, die der evangelische Schulträger derzeit für seine 32 Schulen in Berlin und Brandenburg entwickelt. Der Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO, Frank Olie, erklärt: „Als evangelischer Schulträger ermutigen wir unsere Schüler*innen zum freien Denken und engagierten Handeln. Sie sollen ihre Verantwortung für die Gestaltung unserer Gesellschaft wahrnehmen. Dazu zählt auch der Umgang mit sexueller Vielfalt und der eigenen Gender-Identität. Unsere Diversity-Strategie startet darum nicht mit Lehrplänen, sondern fragt zuerst, was die Schüler*innen brauchen.“

Themen, die die Schüler*innen bewegen, sind unter anderem HIV (56 Prozent), Mobbing (53 Prozent) und sexualisierte Gewalt (50 Prozent). 78 Prozent der Befragten haben im Biologieunterricht zum Thema Sexualität vor allem Körperwissen behandelt. 7 Prozent geben sogar an, dass sie sich im Unterricht noch gar nicht mit dem Thema Sexualität auseinander gesetzt haben.

„Die Themen Liebe, Sexualität und Gender-Identität sind in Schulen immer noch mit vielen Vorurteilen belegt“, sagt Rainer Gronen, Co-Studienautor und Leiter der Weiterbildungsabteilung der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO. „Lehrer*innen wissen oft nur wenig über die Probleme und Wünsche ihrer Schüler*innen. Unsere Studie zeigt aber, dass sich Schüler*innen mehr Präsenz der Themen Liebe, Sexualität und Vielfalt in der Schule wünschen. Lehrkräfte sollten sich öffnen und Fachleute von außen einbeziehen, um diesen Bedürfnissen Rechnung zu tragen.“

BCG-Principal und Co-Studienautorin Annika Zawadzki ergänzt: „Schulen sollten noch besser darin werden, ein offenes und unterstützendes Umfeld für den Umgang mit Vielfalt, Sexualität und Gender-Identität zu schaffen. Sie legen den Grundstein dafür, dass junge Menschen unabhängig von der eigenen sexuellen Orientierung gestärkt ins Leben starten.“

Schüler*innen wünschen sich geschützte Formate wie Diversity-Tag und Online-Plattform

Wie die Studie zeigt, wollen acht von zehn befragten Schüler*innen die eigene Sexualität nicht im Unterricht thematisieren. Stattdessen wünschen sie mehr Präsenz der Themen Liebe, Sexualität und Vielfalt im geschützten Raum der Schule. Hier zeigen sich leichte Unterschiede zwischen Schüler*innen, die angeben, heterosexuell zu sein (79 Prozent), und solchen, die sich als homo-, bi- oder asexuell identifizieren (12 Prozent)[1]: Mehr als zwei Drittel der nicht-heterosexuellen Schüler*innen (71 Prozent) wünschen sich etwa einen Diversity-Tag in Schulen, an dem sie sich in Workshops und Vorträgen über das Thema informieren können. Bei den heterosexuellen Schüler*innen sind es 59 Prozent. Darüber hinaus sprechen sich 59 Prozent der nicht-heterosexuellen Schüler*innen und 44 Prozent der heterosexuellen Schüler*innen für eine Online-Plattform ihrer Schule aus, auf der sie vertrauenswürdige Informationen zu den Themen Liebe, Sexualität und Partnerschaft finden können.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Schülerinnen und Schüler durchaus offen dafür sind, im geschützten Raum der Schule faktenbasiert über die Themen Liebe, Sexualität und Vielfalt zu sprechen. Wenn Schulen die entsprechenden Angebote schaffen, können sie Schüler noch gezielter bei der sexuellen Identitätsbildung unterstützen“, erklärt BCG-Principal Annika Zawadzki.

Schüler*innen eint Wunsch nach klaren Antidiskriminierungsregeln im Schulalltag

Am wichtigsten für persönliche Themen sei es, sich mit Mitschüler*innen oder Expert*innen auszutauschen. Schüler*innen, die angeben, nicht heterosexuell zu sein, suchen bei den Themen Liebe und Sexualität stärker den Kontakt zu Vertrauenslehrer*innen (22 Prozent) und Erzieher*innen (18 Prozent) als heterosexuelle Schüler*innen. Bei ihnen sind es nur zehn bzw. drei Prozent. Auch bei der Wahrnehmung der Offenheit der Schulen bezüglich sexueller Orientierung zeigen sich Gegensätze: Während 84 Prozent der heterosexuellen Schüler*innen die Schule als offenen Raum betrachten, sind es bei den nicht-heterosexuellen Befragten nur 65 Prozent. Was die Befragten eint, ist der Wunsch nach klaren Antidiskriminierungsregeln. So geben 91 Prozent der nicht-heterosexuellen und 88 Prozent der heterosexuellen Schüler*innen an, dass sie sich konkrete Regeln wünschen, die vor Diskriminierung im Schulalltag schützen.

Link zur Studie

 

[1] Neun Prozent der Befragten machen keine Angabe über ihre sexuelle Orientierung.