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„Nicht die Vielfalt an unseren Schulen müssen wir fördern, sondern deren Sichtbarkeit“

„Fürchtet euch nicht!“ –  Diversity-Kampagne startet mit Podiumsdiskussion für mehr Sichtbarkeit von Vielfalt an den Schulen der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO

Mit einer Podiumsdiskussion startete gestern die Schülerkampagne „Fürchtet euch nicht!“. Sie ist Teil der Diversity-Strategie der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO. Schüler*innen der Evangelischen Schulen möchten damit für sichtbare sexuelle Vielfalt in Schule und Unterricht, mehr Aufklärung und Mitbestimmung werben. Acht verschieden Plakate werden in allen 32 evangelischen Schulen in Berlin-Brandenburg hängen, die dazu passenden Postkarten sowie die Sprüche-Postkarten werden verschickt und verteilt. Auch in den Sozialen Medien ist die Kampagne präsent. 

„Fürchtet euch nicht!“ vor Vielfalt, Sexualität und Gender-Identität – das ist die Botschaft der neuen Diversity-Kampagne, die mit Beginn des neuen Schuljahres 2020 ab September veröffentlicht wird.. Schüler*innen der 32 evangelischen Schulen in Berlin und Brandenburg haben sie entwickelt und umgesetzt. Die Kampagne richtet sich an Mitschüler*innen, Pädagog*innen und Eltern; sie soll Diversity sichtbar machen, die Lebensrealität junger Menschen abbilden, Diskussionen, Aufklärung und Toleranz anregen sowie den Weg ebnen für eine stärkere Präsenz von Diversity-Themen in Schule und Unterricht. 
 
Wie wichtig das Thema „Sichtbarkeit“ von Diversität ist, wurde auf der Podiumsdiskussion von deren Teilnehmern hervorgehoben. Die Schirmherrin der Kampagne, die Generalsuperintendentin von Berlin, Ulrike Trautwein, betonte: „Wir müssen lernen, dass Heterogenität eine Bereicherung und keine Bedrohung für die Gemeinschaft darstellt: Fürchtet euch nicht vor der Vielfalt. Vor Gott sind alle Menschen gleich. Diese Vielfalt kommt schon im Galaterbrief 3,28 zum Ausdruck 'Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus'.“
 
Die Schulleiterin der Evangelischen Schule Zentrum, Caroline Treier, wünscht sich, dass sich das Verständnis der Gesellschaft für das „Anderssein“ verändert. Dafür bedürfe es auch einer neuen Sprachfähigkeit, die das Gemeinsame mehr betone als die Unterschiede.  

Auch Thomas Moldenhauer, Schulleiter der Evangelischen Schule Buch, meint: „Nicht die Vielfalt an unseren Schulen müssen wir fördern, sondern deren Sichtbarkeit, damit diese Vielfalt eines Tages für uns selbstverständlich ist.“
 
Das sehen die Schüler*innen, die die Kampagne gestaltet und entwickelt haben, genauso. Vincent fordert vom Träger seiner Schule eine klare Positionierung in Sachen Sichtbarkeit der Verschiedenheit: „Ich wünsche mir, dass die Evangelische Schulstiftung in der EKBO mit der Kampagne klarer Vorreiter wird und dies auch mal den Leuten, denen das nicht gefällt, deutlich sagt. Für LGBTI* und queere Menschen ist es von existenzieller Bedeutung, da die Suizidrate bei denen, die anscheinend nicht in die Gesellschaft passen und abgelehnt werden, sehr hoch ist.“ 

Der Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO, Frank Olie erklärt, in welchem Spannungsfeld sich anderseits die Schulen in seiner Trägerschaft befinden, die alle ihr eigenes Profil haben:„ Erfolg hat nicht die Bestimmung, die von „oben“ angeordnet wird“, sondern nur das, was für die gesamte Schulgemeinschaft als sinnvoll erachtet wird.“  
Für alle Schulen sei aber eine „Schulkultur des angstfreien Miteinanders“ wichtig: „Vielfalt ist Teil unserer Lebensrealität und ihre Wertschätzung Botschaft unseres evangelischen Glaubens. Damit dies auch im Schulalltag sichtbar wird, entwickeln wir eine Diversity-Strategie für unsere 32 Schulen in Berlin und Brandenburg. Eine Atmosphäre der Offenheit und Toleranz ist Voraussetzung für Akzeptanz und gegenseitige Achtsamkeit. Das schließt die Sichtbarkeit sexueller Vielfalt ein.“
 
Moderiert wurde die Veranstaltung von Philipp Kaste, Programmmanager bei Axel Springer. Aus Unternehmersicht wünscht er sich für die jungen Leute, dass sie in Zukunft bei ihrem Bewerbungsgespräch ganz selbstverständlich nach deren Diversity-Konzept fragen können – und bei Nichtvorhandensein dankend ablehnen können.
 
Die Kampagne besteht aus acht Text-Bild-Plakaten, die zudem als Postkarten erhältlich sind, sowie aus vier Sprüche-Postkarten. Die Plakate zeigen Porträts von Schüler*innen, die von handgemachten Scherenschnitten eingebettet und teils verdeckt sind. Bedeutet: Jede Identität ist nie in Gänze sichtbar und immer vielgestaltig. Die Sprüche-Postkarten hingegen modernisieren Aussagen der Bibel vor dem Hintergrund von Vielfalt, Sexualität und Genderidentität. 
 
Passend zur Kampagne hat die Evangelische Schulstiftung in der EKBO unter www.fuerchteteuchnicht.com  eine Website aufgesetzt. Dort finden sich viele Hintergrundinformationen, wie etwa zur Diversity-Studie „Bunt. Lieben. Leben.“, die die Evangelische Schulstiftung in der EKBO gemeinsam mit der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) im vergangenen Jahr durchgeführt hatte. Dabei waren Schüler*innen der evangelischen Schulen nach ihren schul- und unterrichtsbezogenen Wünschen im Hinblick auf Vielfalt, Liebe und Sexualität befragt worden. Die Ergebnisse dieser Studie führten zu einer ersten Diversity-Maßnahme: der „Fürchtet euch nicht!“-Kampagne.  
 
Interview mit Rainer Gronen, Leiter der Fort- und Weiterbildungsabteilung vom RadioSUB.