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Tag der Freien Schulen: Parteien diskutieren vor der Wahl zum Thema Bildung

„Verlorene Zeit - verlorene Kinder?“ – so lautete das Leitthema der 16. Bildungsdebatte der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen am 19. September 2021 im Deutschen Theater. Die fünf Vertreter*innen der großen Parteien diskutierten am Tag der Freien Schulen über Themen wie Personalmangel, Bau und Sanierung oder Zugänglichkeit und Inklusion. Teil nahmen der Spitzenkandidat für die Wahl zum Bürgermeisteramt, Kai Wegner (CDU), Regina Kittler (Die Linke), Raed Saleh (SPD), Stefanie Remlinger (Die Grünen) und Mathia Specht-Habbel (FDP). Thorsten Wittke von Radio Paradiso moderierte die Debatte.  

Wittke startete die Debatte mit der Frage an Raed Saleh, wie er persönlich die Bildung in der Coronazeit erlebt habe. Der zweifache Vater sagte: „Am Anfang fanden meine Söhne Homeschooling noch cool, aber dann wollten sie schnell wieder zurück in die Schule!“ Denn Schule sei mehr als ein reiner Lernort. Soziale Kontakte und soziales Lernen ständen hier ebenso im Mittelpunkt. Dies ließe sich aber nicht digital herstellen. „Es gab eine große Sehnsucht nach Normalität“, erklärte der Fraktionsvorsitzende der SPD. Regina Kittler von der Linken sah dies ähnlich. „Es war für alle – Erzieher*innen, Lehrer*innen, Eltern und Schüler*innen eine schwere Zeit“, meinte die Bildungsexpertin. Stefanie Remlinger von den Grünen argumentierte härter: „In der Corona-Zeit ist unser Bildungssystem bis ins Innere erschüttert worden. Schule sei ein Hafen auch für soziale Begegnungen und Austausch.“ Doch Lernen verändere sich jetzt auch, man müsse nun digitaler werden. 

Die nächste Frage bezog sich auf die Zukunft. „Wie sieht ein innovatives Bildungssystem für Berlin aus?“, fragte Wittke Raed Saleh. Die Geschäftsführerin des VDP, des Verbands Deutscher Privatschulen Berlin-Brandenburg, Kathrin von Holst ergänzte: „Bereits vor Corona fehlte die Basis für eine digitale Bildung: zu wenig IT-Personal, schlecht ausgebildete Lehrer*innen – Geht es jetzt so weiter?“. Saleh betonte, er sei dankbar für die Arbeit der freien Schulen in Berlin: „Sie sind Teil der Vielfalt!“ Wenn es weitere Verbesserungen gebe für die Schüler*innen, wie bereits durch das kostenfreie Schulessen, dann müsse das für alle Schulen in Zukunft auch gelten. Spitzenkandidat Kai Wegner von der CDU ergänzte: „Dann muss unser Schulsystem auch durchlässiger werden.“ Wenn Kinder nach der Grundschule nicht Lesen, Rechnen oder Schreiben könnten, würde ihn dies entsetzen. Die Anschlussmöglichkeiten fehlten.

Zur Frage der Inklusion und Zugänglichkeit führte Frank Olie, der Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO, ins Thema ein. Olie erklärte: „Jedes Kind sollte Zugang zu der Schule haben, die es am besten fördern kann, im Rahmen einer inklusiven Schulkultur und getragen von einer Schulgemeinschaft.“ Darum fordere er die gleichberechtigte Finanzierung für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf und einen Abbau der Hürden für finanzschwache Familien. Aktuell gebe es für freie Schulträger eine „Exklusion in der Inklusion“. Regina Kittler entgegnete, sie sehe schon inklusive Vorbilder bei den freien Schulen, wie etwa die Evangelische Schule Zentrum. Und meinte: „Alle Schulen müssen sich hier verändern und mit den Linken ist diese Veränderungen auch zu machen!“ 

Wegner entgegnete, dass Berlin bereits jetzt die höchsten Ausgaben für Bildung habe, vor allen anderen Bundesländern: „Gleichzeitig haben wir aber auch die höchste Schulabbrecherquote. Das zeigt, dass sich vorher die Prioritäten ändern müssen.“ Wegner betonte: Wir müssen freie und staatliche Schulen gleichberechtigt behandeln.“ So müsse es auch einen Etat für Neubau, Modernisierung oder Sanierung geben. Mathia Specht-Habbel von der FDP ergänzte: „Schon heute besuchen zehn Prozent aller Schüler*innen eine freie Schule.“ Sie bräuchten mehr Geld. „Bisher sind sie aber nicht finanziell gleichgestellt. Die FDP steht für Vielfalt und Freiheit.“ Dies gelte insbesondere für die freien Schulen. Specht-Habbel betonte: „Freie Schulen leben ein System vor, das selbstständig 

arbeitet, viel unabhängiger von der Schulaufsicht und den langsamen bürokratischen Strukturen der staatlichen Schulen.“ Dies sei vorbildlich.

Regina Kittler, die Linke, erwiderte: „Wenn freie Schulen inklusiv arbeiteten und Kinder aus ärmeren Familien aufnehmen, dann müssen sie auch die Mittel für ihre Arbeit erhalten.“ 

Kai Wegner forderte die früheren Kürzungen der Finanzierung der freien Schulen auf derzeit 93 Prozent zurückzunehmen und wieder auf 97 Prozent anzuheben. Stefanie Remlinger sah dies ähnlich: „Wir brauchen eine Finanzierung für einkommensschwache Familien und Inklusion.“ Daher müsse die Transparenz in der Finanzierung der freien Träger erhöht werden. „Alles, was wir erwarten, müssen wir auch finanzieren“, erklärte die Grünenpolitikerin. Dem stimmte Raed Saleh zu: „Die freien Träger brauchen eine bessere Ausstattung und ihre Arbeit, insbesondere bei der Inklusion, muss anerkannt werden.“

Uneinigkeit gab es bei den Beteiligten zum Thema Wiederverbeamtung. Während Wegner diese befürwortete, erklärte Stefanie Remlinger: „Verbeamtung würde die bestehenden Unterschiede nur vergrößern.“ 

Zum Ende der Debatte signalisierten alle Koalitionsparteien allgemeine Gesprächsbereitschaft mit den Schulen in freier Trägerschaft und alle Beteiligte konnten sich auf den Satz einigen:  „Gute Schulen – egal ob staatlich oder frei – fördern jedes Kind optimal.“
Die 16. Bildungsdebatte fand im Rahmen des Tags der freien Schulen statt. Vorher konnten sich interessierte Eltern und Kinder über die Angebote und Schwerpunkte der freien Schulen auf dem „Markt der Möglichkeiten“ vor dem Deutschen Theater informieren. Der Tag der freien Schulen ist ein Angebot der Arbeitsgemeinschaft freier Schulen Berlin, dem freiwilligen Zusammenschluss von rund 130 allgemeinbildende Schulen in freier Trägerschaft der Stadt.