EU-Abgeordnete Gaby Bischoff spricht mit Grundschüler*innen über Europäische Union
Die EU-Abgeordnete Gaby Bischoff hat die Demokratie-Checker*innen AG und die Schülersprecher*innen der Evangelischen Grundschule Pankow Anfang Dezember besucht. In dem einstündigen Gespräch mit den zwanzig Schüler*innen berichtete die Berlinerin von ihrer Arbeit in Straßburg und in Brüssel.
Bischoff erzählte den Schüler*innen von ihrer Zusammenarbeit mit den rund 700 Abgeordneten aus 27 Ländern des Europäische Parlaments. Daraufhin fragte Rosalie, stellvertretende Klassensprecherin der 3a, wie sich die Politiker*innen denn dann verstehen könnten: „Sie sprechen doch nicht alle Sprachen oder?“. Gaby Bischof nickte und erklärte, dass bei großen Sitzungen alle Simultanübersetzter*innen hätten: „Aber wenn wir in den Arbeitsausschüssen sitzen, dann sprechen wir meistens Englisch oder Französisch.“ Das könnten die meisten.
Jonathan, Klassensprecher der 4b, wollte wissen, ob denn alle auch die gleichen Rechte hätten. Bischoff erklärte: „Grundsätzlich ja, aber die Zahl der Abgeordneten und die Zusammensetzung der Ausschüsse richtet sich nach der Größe der Fraktion.“ Sie selbst würde in Ausschüssen sowohl im Europäischen Parlament als auch im Bundestag mitarbeiten: zum Beispiel dem europäischen Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten und dem Ausschuss für Angelegenheiten der Europäischen Union des Bundestages.
Dann erzählte Bischoff den Grundschüler*innen von der Gründung der EU: „Früher haben sich die Menschen in zwei großen Kriegen gestritten. Mein eigener Opa ist mit 17 Jahren Soldat im Ersten Weltkrieg gewesen und hat auch im Zweiten kämpfen müssen.“ Die EU-Abgeordnete berichtet weiter: „Nach 1945 gab es einige Menschen, die den Frieden in Europa langfristig sichern wollten.“ Diese Menschen, wie etwa Jean Monnet und Robert Schuman, sprachen dann mit vielen anderen Vertreter*innen der Zivilgesellschaft wie etwa Gewerkschaftsführern oder Vertretern der Bürgerbewegung. „So entstand das erste europäische Einigungswerk, aus dem sich später auch die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, die Römischen Verträge und schließlich die Europäische Union entwickelten.“ Bischoff betonte: „Darum ist die EU ein echtes Friedensprojekt und dafür steht auch die Europaflagge!“
„Und wofür stehen die zwölf Sterne?“, möchte Rosalie wissen. Bischof meint: „Anders als viele denken, sind das keine Länder, sondern die Flagge haben wir vom Europarat übernommen. Der Kreis steht für die Gleichheit aller Mitglieder.“ Darum habe man auch das Motto „Einheit in Vielfalt“. Das gleiche gelte übrigens auch für den Euro, der gemeinsamen Währung in der EU: „Die Einheit ist gleich, aber jedes Land prägt ein eigenes Symbol auf die Rückseite.“ So hätten viele – ohne es zu bemerken – ganz Europa in der Tasche. „Fragt doch zu Hause mal Eure Eltern, ob sie mal ihr Portemonnaie leeren können!“




„Aber es gibt doch noch andere Kontinente wie Asien oder Afrika“, meint Jonathan. „Sprecht Ihr auch mit denen?“ Gaby Bischoff lächelt: „Aber natürlich. Ich selbst war gerade in Neuseeland, weil ich Teil einer Delegation bin, die mit unseren Kolleg*innen dort spricht. Wir tauschen uns mit vielen anderen Politiker*innen aus.“
Zum Ende der einstündigen Fragerunde sind einige der Kinder sichtlich müde, doch alle meinen, sie hätten viel Neues über die Europäische Union gelernt. Auch Gaby Bischoff ist zufrieden. Sie hält die Demokratie-Checker*innen AG der Grundschule und die Klassensprecher*innen-Ämter für sehr wichtig: „Denn Demokratie lernt man, indem man sie macht – so wie ihr in der AG!“, sagte die Politikerin. Sie selbst hätte auch als Klassensprecherin begonnen. So gehen auf ihre Frage, ob sich einige Schüler*innen jetzt auch vorstellen könnten einmal als EU-Politiker*in zu arbeiten, durchaus vier Hände nach oben.

Die Demokratie-Checker*innen AG leiten derzeit fünf Eltern der Schule. Die Arbeitsgemeinschaft entstand aus der Eltern-AG „Demokratie &Vielfalt“ und im Rahmen des gleichnamigen Themenjahres der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO. Die AG fand bereits im vergangenen Schuljahr im Nachmittagsbereich statt.
Nach dem letzten Termin der Demokratie-Checker*innen soll als nächste Aktion für die Schüler*innen ein Demokratie-Schmökern in der Bücherinsel der Evangelischen Schule Pankow stattfinden. Mitte Dezember sind alle Kinder der Schule eingeladen, in diese ehrenamtlich betriebene Kinderbücherei zu kommen. Die Mitglieder der Eltern-AG „Demokratie & Vielfalt“ haben Vorschläge der Pankower Buchhandlung „Buchlokal“ aufgegriffen: 40 Bücher rund um das Thema Demokratie und Vielfalt wurden von der Schule neu angeschafft. Beim Demokratie-Schmökern werden einige dieser Bücher näher vorgestellt und auch Passagen daraus vorgelesen.
Alle Bilder: Frank Wölffing



