Jasmin Tabatabai liest in der Evangelischen Grundschule Pankow
Zwanzig Zweit- bis Viertklässler*innen lauschten gespannt der Schauspielerin, Musikerin und Kinderbuchautorin Jasmin Tabatabai, als sie am 4. Juni 2026 aus dem Buch „Wolf“ von Saša Stanišić vorlas. Stanišić ist bosnisch-serbischer Herkunft und kam mit 14 Jahren nach Deutschland. Es ist ein Buch über das Anders-Sein, über Mut und darüber, ob man was sagt, wenn man gemobbt wird und wie wenige Schritte es vom Anders-Sein zur Ausgrenzung braucht.
An diesem Vorlesenachmittag, der von der Eltern-AG „Demokratie und Vielfalt“ organisiert wurde, geht es um die Themen „Außenseitertum und Anders-Sein“. Erst vor kurzem unterschreib die Schule die Selbstverpflichtung „Schule ohne Rassismus“, in der sie sich dazu bekennt, sich gegen Rassismus und jede andere Form von Diskriminierung oder Ausgrenzung aktiv einzusetzen. Daran knüpft die Veranstaltung an.
„Wenn man sich seiner Angst bewusst wird und sich ihr stellt, dann ist es meist die größte Stärke, die man hat“, gibt die dreifache Mutter Tabatabai den Kindern mit auf den Weg. Jasmin Tabatabai weiß das aus eigener Erfahrung: Ihre Mutter ist Deutsche und ihr Vater Iraner. Sie selbst ist in Teheran geboren und auch aufgewachsen. Auch für sie war das „Anderssein“ eine Zeitlang normal. Dass man Kindern über das Lesen wertvolles Wissen weitergeben kann, davon ist sie überzeugt: „Lesen finde ich unglaublich wichtig, gerade für Kinder, um sich zu bilden und die eigene Fantasie und Vorstellungskraft zu trainieren.“ Auf spielerische Weise können so ernste Themen den Kindern nahegebracht werden.

Nach der Auftaktlesung von Tabatabai dürfen sechs Schüler*innen aus von ihnen selbst gewählten Büchern zu dem Thema vorlesen. Elli liest aus ihrem Lieblingsbuch „Die Schnetts und die Schmoos“. Auch hier geht es um das Anderssein: Eine Romeo und Julia-Geschichte allerdings mit einem Happy-End: „Mir gefällt besonders, dass sie sich am Anfang alle nicht mögen und zum Schluss alle zusammenhalten“, erklärt Elli. Auch in Leas Buch „Lotta Leben“ geht es um die Einzigartigkeit und damit auch um die Besonderheit von Lotta. Kalinas Buch „Wie aus Feinden Freunde werden“ wendet sich gegen das Schubladendenken der Menschen: „Menschen, die etwas gegen das Anderssein haben, sortieren die Welt gerne in ordentliche Schubladen“ heißt es dort „und in jede Schublade stecken sie nur Menschen, die ähnlich denken und sich ähnlich verhalten.“ Das Buch klärt auf, wie man sich aus dem Schubladendenken befreit und wie Vielfalt die Gesellschaft bereichert und zu unserer gelebten Wirklichkeit dazugehört.

Wanda liest aus dem Buch „Als Ella das All eroberte“ vor. Es beschäftigt sich mit der Diversität in den Berufen. Ella sitzt im Rollstuhl und möchte gerne Astronautin werden. Es ist das erste Kinderbuch von Raúl Krauthausen, der selbst im Rollstuhl sitzt und die Kinder ermutigt, dass man seine Träume auf die eine oder andere Art verwirklichen kann – egal welche Einschränkungen man hat. Das Vorwort stammt von der Astronautin Insa Thiele-Eich. Wanda schwärmt: „Ich mag besonders, dass Ella so ein außergewöhnliches Mädchen ist, voller Begeisterung und Energie und dass sie, obwohl sie im Rollstuhl sitzt, ihren Traum nicht aufgibt.“

Fotos: Christoph Eckelt
Vorgelesen wird auch aus dem Comic „Trip mit Tropf“, in dem es um ein krebskrankes Kaninchen geht, das von einem Wolf gepflegt wird, sowie aus dem Buch „Ein Freund wie kein anderer“. Auch hier geht es um die Freundschaft von zwei unterschiedlichen Tieren: einem Eichhörnchen und einem Wolf, die gute Freunde werden.
Das Besondere an der Aktion: alle Bücher können in der schuleigenen ehrenamtlich betriebenen „Bücherinsel“ ausgeliehen werden. Die Eltern-AG „Demokratie und Vielfalt“ entstand im Rahmen des gleichnamigen Themenjahres der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO. Die Mitglieder der Eltern-AG „Demokratie und Vielfalt“ setzten sich dafür ein, dass 40 Bücher rund um das Thema Demokratie und Vielfalt von der Schule neu angeschafft wurden.



