Schüler*innen der Evangelischen Schule Berlin Zentrum verlegen Stolpersteine
„Peter, wo bist du? Ich lebe! Deine Mama Alice“. In knallroten Buchstaben prangern die Worte mahnend an der Schulfassade der Evangelischen Schule Berlin Zentrum. Als Datum ist der 31.10.1945 zu lesen. Schüler*innen der zehnten und elften Jahrgangsstufe hatten ein Jahr lang projektbezogen zur NS-Zeit und Erinnerungskultur recherchiert und mithilfe digitaler Archive sowie dem Yad Vashem Archiv und dem Bundesarchiv die Geschichte einer jüdischen Familie rekonstruiert.
Dabei stießen sie auf den Namen Peter Neuding. „Wir wussten nicht, wer er war, wer seine Eltern waren, warum der Eintrag nur seinen Geburtstag, aber kein Todesdatum vermerkte und wer die Personen waren, mit denen er hier in der Wallstraße 32 zusammenlebte“, so die Lehrerin Marie Kirchner: „Das ist beindruckend, was die Schüler*innen alles herausgefunden haben. So konnten sie das komplette Leben von Peter und seiner Familie aufwendig zusammenpuzzeln.“
Peter wurde 1927 geboren und lebte ab 1939 in der Wallstraße 32, der jetzigen Schuladresse, bei seinem Großonkel Benno Feldheim. Zuvor wohnte er mit seiner Mutter Alice Rosenberg und seiner Großmutter Hedwig Feldheim in der Schlossstraße 32, wo seine Mutter eine Schneiderei führte. Nach den nationalsozialistischen Berufsverboten emigrierte sie nach England und musste ihren Sohn in Berlin zurücklassen. Peter kam zu seinem Großonkel Benno Feldheim und dessen Frau Else. Am 3. Februar 1943 wurde er im Alter von nur 15 Jahren nach Auschwitz deportiert und ermordet. Seine Mutter suchte nach dem Krieg vergeblich nach ihrem Sohn. Es war nirgends registriert und es gab auch keine Sterbeurkunde von ihm.

Zum Gedenken an die Schicksale der jüdischen Familie wurden am 16. April 2026 zunächst an Peters Geburtsort, an dem er mit seiner Mutter und Großmutter lebte, in der Schlossstraße 32, Stolpersteine verlegt. Anschließend bekamen auch sein Onkel Benno und seine Tante Else Feldheim zwei Stolpersteine direkt vor dem Gehweg der Schule verlegt.

Schüler*innen der Projektklasse begleiteten die Stolpersteinverlegung, indem sie selbstgeschriebene Gedanken und Tagebücher aus der Sicht von Peter vortrugen, weiße Rosen niederlegten und Kerzen anzündeten, um sich in sein Schicksal hineinzuversetzen. Die Schüler*innen bewegte einiges: „Deine Geschichte erinnert uns daran, wie wertvoll Frieden, Freiheit und Menschlichkeit sind!“ oder „Ich kann mir vieles, was dir damals widerfahren ist, nicht vorstellen. Denn ich bin in Freiheit aufgewachsen, die du in deinem eigenen Leben nicht erfahren konntest“ oder „Es gibt immer noch Menschen, die das Andenken an euch bewahren. Wir sind viele und wir werden nicht schweigen!“

Auf einer weißen lebensgroßen Papierstatue konnten alle Teilnehmer*innen ihre Wünsche und Gedanken für Peter und seine Familie schriftlich hinterlassen. Der Schulchor begleitete die Aktion mit Musik. Maßgeblich beteiligt an dem Projekt waren die beiden Lehrkräfte Frau Marie Kirchner und insbesondere Herr Ole Schmidt.
Peters Schicksal soll auch künftig an der ESBZ sichtbar bleiben – als Zeichen gegen das Vergessen und als Erinnerung für die Gegenwart und Zukunft. So mahnt am Zaun der Schule ein großes Banner mit der Aufschrift: Peter wurde 15 Jahre alt.

Alle Fotos: Frank Woelffing



