Zivilcourage sichtbar machen – Holografische Demokratiebildung in Frohnau
Der Verein „Nie wieder ist jetzt“ und deren Gründer Nicolai Schwarzer stellten an der Evangelischen Schule Frohnau Ende Januar 2026 ein Pilotprojekt vor. Als eine von fünf Pilotschulen in Berlin nahm die Schule an dem neuen Bildungsprogramm „Zivilcourage sichtbar machen“ teil.
Das Projekt verbindet historisch-politische Bildung mit aktueller Lebensweltorientierung und handlungsbezogener Demokratiebildung. Dabei setzt es auf Prominente wie Berlins regierenden Bürgermeister Kai Wegner, den Schauspieler Kida Khodr Ramadan oder dem Rapper Eko Fresh, die als Hologramme für Toleranz und Demokratie werben und von ihren eigenen Erfahrungen mit Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung berichten.
Die Schulleiterin Christine Behnken freut sich, dass ihre Schule als Pilotschule am pädagogischen Konzept mitwirken konnte: „Wir sind als Schule mit vielen ähnlichen Themen und Interessen bereits unterwegs. Unser Themenjahr „Demokratie und Vielfalt“ knüpft hier hervorragend an. Dies wollen wir nun mit diesem neuen Format fortführen. Denn letztlich veranlasst uns eine Begegnung mit authentischen Menschen dazu, unser Verhalten zu überdenken oder zu ändern.“

Das Prinzip ist einfach: Die Personen als Hologramme wirken so, als ob sie „live“ im Raum sind und mit ihren Gesprächspartnern diskutieren. Jeder Persönlichkeit, die als Hologramm auftritt, sind einzelne Fragen zugeordnet, die auf Knopfdruck von den Schüler*innen immer wieder „befragt“ werden können.

So interviewt der Moderator Klaas Heufer-Umland zum Beispiel die 97-jährige jüdische Zeitzeugin Ruth Winckelmann und Kai Wegner diskutiert gemeinsam mit einer jüdischen und einer muslimischen Schülerin sowie mit einem Transgender-Schüler über ihre Werte und Vorstellungen einer gelingenden Demokratie.

Carolin Kleinfeld, Geschichtslehrerin an der Evangelischen Schule Frohnau, die das Projekt seit Februar 2024 pädagogisch koordiniert hat, meint: „Wir versprechen uns einen großen Aha-Effekt von den Hologrammen.“ Denn hier werde Wissen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger vermittelt. „Gemeinsam mit den Lehrkräften der Evangelischen Schule Neukölln, des Werner-von-Siemens-Gymnasiums, des Humboldt-Gymnasiums sowie der Gretel-Bergmann-Schule, haben wir uns um ein pädagogisches Konzept bemüht, das den Schüler*innen leicht vermittelbar ist und Nähe schafft.“

Dass das Konzept aufgeht, bestätigen die beiden Neuntklässler Peter und Anton: „Mich spricht das Projekt an. Es ist spannend die Promis „live“ zu sehen mit einem Thema, das einen beschäftigt“, so Peter. Und Anton ergänzt: „Durch die coole Technik wird das Thema viel spannender rübergebracht und man ist länger konzentriert.“
Die Idee dahinter stammt von dem Unternehmer und Initiator Nicolai Schwarzer. Ausschlaggebend für ihn war der Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023. Schwarzer, selbst Nachkomme von Holocaust-Überlebenden, organisierte daraufhin in Berlin eine Solidaritätsdemo für jüdisches Leben: „Auf der Demonstration waren nur wenige junge Menschen“, sagte Schwarzer, „Das hat mich nachdenklich gestimmt.“ So sei die Idee für den Verein „Nie wieder ist jetzt“ und das Schulprojekt entstanden: „Ziel ist, über Demokratie aufzuklären und gegen Hass, Antisemitismus und Rassismus anzugehen.“
Das Projekt richtet sich an Schüler*innen der Sekundarstufe I und soll auf Schulen in ganz Berlin ausgerollt werden. Inhaltlich soll es zunächst allgemein um Demokratie und Toleranz gehen. Später sollen die Schüler selbst kleine Filme zu Themen wie Homophobie, Rassismus oder Antisemitismus produzieren.

Alle Fotos: Christoph Eckelt



