Evangelische Schule Köpenick: Generelles Handyverbot nach Ergebnissen des Handyexperiments

Die Ergebnisse der bislang größten wissenschaftlichen Studie zum Smartphone-Verhalten von Jugendlichen wurden nun veröffentlicht. Mehr als 72.000 Schüler*innen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol nahmen an dem Experiment teil und verzichteten drei Wochen lang auf ihr Smartphone. 23 deutsche Schulen beteiligten sich an dem Handyexperiment, darunter auch die Evangelische Schule Köpenick mit 74 Schüler*innen. Das Gymnasium in Trägerschaft der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO zieht nun Konsequenzen: Ab dem kommenden Schuljahr gilt an der gesamten Schule ein Handyverbot.

Kerstin Schwitters, stellvertretende Schulleiterin der Evangelischen Schule Köpenick, erklärt: „Die Ergebnisse überraschen uns nicht. Eine hohe Anzahl der teilnehmenden Schüler*innen hatte schon kurz nach den 21 Tagen der Nichtnutzung ihres Handys über positive Erfahrungen berichtet. Vielen hat die Auszeit gutgetan. Sie hatten mehr Zeit zum Lesen, sich mit Freunden zu treffen, aber auch mehr Zeit für ihre Familie.“ Zudem hätten sie angegeben, die Welt nun intensiver und aufmerksamer wahrzunehmen.

Schüler*innen der Evangelischen Schule Köpenick beim Ausschalten ihres Handy

Nun liegen die Ergebnisse der begleitenden Studie vor: Nach drei Wochen ohne Smartphone verbessern sich Schlaf, Wohlbefinden und psychische Gesundheit deutlich. Eine Verbesserung gab es bei den depressiven Symptomen: Der Anteil der Jugendlichen ohne Antriebslosigkeit oder Ängsten ist um etwa 15 Prozent gestiegen. Gleichzeitig sind die leichten bis mittelgradigen depressiven Symptome um etwa zehn Prozent zurückgegangen. Auch schwere depressive Symptome haben sich reduziert. Das psychische Wohlbefinden ist insgesamt um etwa 18 Prozent gestiegen. Zudem ist der Anteil von Schüler*innen mit problematischer Internetnutzung von 71 Prozent auf 58 Prozent gesunken.

Bislang galt an der Evangelischen Schule Köpenick ein Handyverbot für Schüler*innen der Unter- und Mittelstufe. Die Schule weitet dieses nun im kommenden Schuljahr auch auf die Oberstufe aus. Schwitters meint: „Ich denke, wir sind hier auf einem guten Weg. Unsere bisherigen Erfahrungen über die eingeschränkte Handynutzung bis zur zehnten Klasse bestätigt das. Wir werden nun gemeinsam mit dem Kollegium zu Beginn des nächsten Schuljahres das Thema in allen Klassenstufen vertiefen, damit unsere Schüler*innen Social Media und Handy künftig bewusster nutzen.“

Die stellv. Schulleiterin Kerstin Schwitters mit dem Initiator Fabian Scheck
Fotos: Christoph Eckelt

Auch in der Kontrollgruppe wurden Ergebnisse sichtbar: Obwohl diese Jugendlichen ihr Smartphone weiterhin genutzt haben, hat sich auch dort eine Veränderung des Nutzungsverhaltens gezeigt. Die bewusste Reflexion über das eigene Smartphone-Verhalten hat bei den Jugendlichen offenbar zu einem kritischeren Umgang mit digitalen Medien geführt.

Knapp 46.000 Jugendliche haben anonymisiert an der wissenschaftlichen Begleitforschung des Anton Proksch Instituts in Wien teilgenommen, davon knapp 32.000 in der Versuchsgruppe und ca. 14.000 in der Kontrollgruppe, die ihr Smartphone weiter benutzen durfte, aber auch die wissenschaftlichen Befragungen ausgefüllt hat.

Ähnliche Beiträge