Evangelische Schule Neukölln erprobt Forum-Theater

Konflikte und Ungerechtigkeit gibt es häufig im Schulalltag. Um diese besser aufdecken und bearbeiten zu können, erprobte die Klasse 5b der Evangelischen Schule Neukölln jetzt eine neue Methode: Das Forum Theater. Die Idee brachten zwei Lehrerinnen der Schule aus Irland mit. Dort hatten Sie die Methode in einem „Overseas Teachers Course“ des Erasmus + Mobilitätsprojekts der Europäischen Union im Sommer kennengelernt.

Das „Theatre of the Oppressed“ des Brasilianers Augusto Boal beschäftigt sich mit der  Methode des Forum-Theaters. Die Grundidee dieser Methode ist, dass jeder Mensch seine Lebenssituation verbessern kann, in dem er, der Protagonist, etwas in seinem Leben ändert.

In der Projektwoche „Soziales Lernen“ der Klasse 5b haben die Schülerinnen und Schüler Konfliktsituationen zusammengetragen, einander erzählt und ausgewählt, die sie in kurzen, improvisierten Theaterstücken dargestellt haben.  

Der Fokus lag auf Ungerechtigkeiten, die einem Menschen widerfahren können. In einer Szene befanden sich zwei Kinder auf einem Spielplatz. Einem Jungen wird das Angebot gemacht, seinen neuen Fußball gegen einen alten Basketball auszutauschen. Eine andere Situation spielte auf dem Fußballplatz. Hier sollte ein Kind ausgeschlossen werden, weil es eindeutig besser Tore schießen konnte als die beiden anderen Kinder. In einem Kindergarten wurde einem Kind, das unabsichtlich ein anderes Kind verletzt hatte, verweigert, den Fehler wieder gut zu machen. In einer anderen dramatischen Szene wurde ein Schüler immer wieder von zwei Kindern geärgert.

Der Höhepunkt der Projektwoche bestand darin, sich gegenseitig die Stücke vorzuführen. Die Zuschauer nahmen hier eine ganz besondere Rolle ein. Sie konnten, nachdem sie sich mit der Situation vertraut gemacht hatten, nach der Methode des Forum-Theaters in den Verlauf der Situation eingreifen und die Verhaltensweisen des Protagonisten eingreifen, um die Lage zu verbessern.

Davon machten die sogenannten spect-actors redlich Gebrauch und erstaunten die Spielleiter mit ihren vielseitigen, konstruktiven und witzigen Lösungsideen.

Ziel ist es, diese Arbeit im Lauf der nächsten Schuljahre auszubauen, um die Schülerinnen und Schüler in die Lage zu versetzen, sich in schwierigen Situationen nicht hilflos zu fühlen, sondern den Mut zu haben, durch das eigene Verhalten Lösungen herbeizuführen.

Anna van der Linden und Anke Travers